Axt im Walde – Personeller Kahlschlag bei der NPD Sachsen-Anhalt

Nun war es endlich soweit: Die NPD Sachsen-Anhalt zog bezüglich des Scheiterns zur Landtagswahl auf dem Landesparteitag am 10.06.2011 in Halberstadt Bilanz und Konsequenzen. 
Ein Großteil derer, die zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt versagten, wurde „abgesägt“. Das Resultat: Nahezu der komplette NPD-Landesvorstand wurde ausgetauscht. So durfte der bisherige Landeschef, Matthias Heyder aus Elbingerode abdanken. Mit ihm konnten auch die beiden Studenten, sein Stellvertreter Matthias Gärtner aus Magdeburg und Organisationsleiter Phillip Valenta aus Bernburg, gehen. 

Wie sieht also die neue Strategie und der neue Landesvorstand der NPD aus? „Der neue“ an der NPD-Spitze in Sachsen-Anhalt heißt Peter Ingo Walde und ist der Mann von der schon bekannten Heidrun Walde. Dass Peter Walde keinesfalls ein konsequenter Naziideologe ist, lässt sich anhand einiger Punkte seines politischen Lebenslaufs beweisen. Er studierte in der DDR an einer Gewerkschaftsschule in Güsen, war neun Jahre lang Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei (SED). Im Jahr 2006 trat Walde schließlich als REP-Landeschef zur Landtagswahl an. Als Mitglied der „Republikanischen Partei“ äußerte er sich damals noch kritisch zu seinen heutigen Kameraden. 
So beschwerte er sich, dass die „Republikaner“ zu oft „mit den wirklich Bösen in einen Topf geworfen“ würden. Die „wirklich Bösen“ waren nach Waldes damaliger Ansicht Parteianhänger von NPD und DVU. Die DVU werde „aus München ferngesteuert“ und die NPD strebe „den Nationalsozialismus“ an. Mit all dem wollte Peter Walde damals noch „nichts zu tun haben“. Die NPD Sachsen-Anhalt scheint nun also die Strategie zu verfolgen mit alten, erfahrenen und vielleicht auch „bodenständigen“ Nazikadern ihre politischen Ziele längerfristig zu verwirklichen, nachdem der „Einzug mit Ansage“ zur Landtagswahl am 20.März 2011 scheiterte.  Dass sich niemand aus den Reihen der NPD an der SED-Vergangenheit des neuen Parteichefs stört verwundert nicht, denn auch der selbsternannte „Reichsbürger“ Lothar Nehrig, der der NPD die Räumlichkeiten für ein Bürgerbüro in Halberstadt stellt, war langjähriger Mitarbeiter der Staatssicherheit. 

Für den alten NPD-Chef Matthias Heyder ist die Zukunft ungewiss.  Auf dem Landesparteitag stand für die meisten Anwesenden der Schuldige fest: Heyder, der kurz vor der Landtagswahl Schlagzeilen als „Junker Jörg“ machte, weil höchstwahrscheinlich er unter diesem Pseudonym in einem Internetforum Anleitungen zum Bombenbau veröffentlichte und zum „Schänden linker Frauen“ aufrief. So sei er, nach Aussagen des NPD-Funktionärs Thomas „Steiner“ Wulff, maßgeblich durch seine „Unehrlichkeit sowie die fraglos geistig-moralische Armseeligkeit zu einem guten Teil für diese herbe Niederlage verantwortlich”.  Gerüchten zufolge ist nicht nur das Ende der politischen Karriere Heyders besiegelt, sondern auch der Wegzug aus seinem bisherigen Wohnort Elbingerode (Harz). Wohin es für ihn parteipolitisch gehen wird, werden wir aufmerksam verfolgen.