Menschen in Nienhagen sprechen sich gegen Rechtsrockkonzerte aus

Sie wollen keine 1000 Neonazis mehr in ihrem 400-Seelen-Dorf, die Nienhagener. In einer vom Bürgerbündnis „Nienhagen rechtsrockfrei“ organisierten Abstimmung gab es ein klares Votum. Der Betreiber will nun nicht mehr an Rechte vermieten.

Nienhagen l Klares Votum: Von 326 wahlberechtigten Nienhagenern haben sich 200 an der Abstimmung beteiligt. 160 sind gegen weitere Rechtsrockkonzerte, 40 dafür.

Am 22. Oktober verteilten Mitglieder des Bürgerbündnisses „Nienhagen Rechtsrockfrei“ an alle wahlberechtigten Bürger von Nienhagen Unterlagen für eine Briefwahl. Darin wurden diese aufgefordert, in den folgenden drei Wochen Position zu Rechtsrockkonzerten in ihrem Ort zu beziehen.

Die an die Verbandsgemeinde gerichteten Rückantwortbriefe landeten in einer verschlossenen Wahlurne, die nun geöffnet wurde. Am Sitz der Verbandsgemeinde in Schwanebecks Kapellenstraße war neben dem Leiter des Ordnungsamtes, Knut Buschhüter, Bürgermeisterin Christina Brehmer (Linke) sowie Hans-Christian Anders und Nadine Röhrdanz vom Bürgerbündnis mit Klaus Slominski auch der Besitzer der Alten Hopfendarre in Nienhagen zugegen, die seit Jahren als Veranstaltungsort für Rechtsrockkonzerte in den Schlagzeilen ist.

Hans-Christian Anders öffnete die versiegelte Urne und entleerte den Inhalt. Schon dabei war zu erkennen, dass sich viele Einwohner an dieser Briefwahl-Aktion beteiligt hatten.

Die Auszählung ergab, dass von den 326 Wahlberechtigten 200 ihre Stimme abgegeben hatten. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von über 60 Prozent.

Ich stehe zu meinem Wort. Ich vermiete nicht mehr an diese Leute.

Klaus Slominski, Besitzer der Alten Hopfendarre

Die Auszählung und die nochmalige Kontrolle der Ja- und Nein-Stimmen zeigten ein eindeutiges Ergebnis: 160 votierten gegen weitere Rechtsrockkonzerte in Nienhagen, 40 sprachen sich dafür aus.

Der Hopfendarre-Besitzer reagierte sofort: „Ich stehe zu meinem Wort. Ich vermiete nicht mehr an diese Leute.“ Auf seinem Gelände werde es künftig keine solchen Konzerte mehr geben.

Klaus Slominski hatte Mitte des Jahres vor laufender Fernsehkamera versichert, das Hopfendarre-Gelände am Woltersweg nicht mehr für rechte Konzerte vermieten zu wollen, wenn sich die Mehrzahl der Nienhagener Einwohner dagegen ausspricht. Er gab bei dieser Gelegenheit aber auch zu verstehen, dass sich in der Vergangenheit ihm gegenüber niemand gegen diese Veranstaltungen ausgesprochen habe. Sonst hätte er schon eher reagiert, betonte Slominski.

„Ich danke vor allem den Nienhagenern für die große Beteiligung und für das sehr eindeutige Bekenntnis“, sagte Hans-Christian Anders im Namen des Bürgerbündnisses „Nienhagen Rechtsrockfrei“, „es zeigt, dass den meisten Bewohnern ihr Dorf doch sehr am Herzen liegt.“

Seit mehreren Jahren ist die Alte Hopfendarre in dem Schwanebecker Ortsteil Nienhagen Treffpunkt der Neonazi-Musikszene. Teilweise strömten mehr als 1000 Zuhörer in den kleinen Ort und auf das Veranstaltungsgelände. Frühere Versuche, diese Konzerte gerichtlich zu verbieten, scheiterten. Allerdings gab es Auflagen seitens der Ordnungsbehörden, weil viele der auftretenden Bands wegen Volksverhetzung oder rassistischer Aussagen verbotene Titel spielten. Um die Auflagen zu kontrollieren, gab es regelmäßig große Polizeieinsätze bei den Konzerten, zu denen teilweise sogar Hundertschaften aus anderen Bundesländern anrückten.

Quelle: Volksstimme