Archiv für Februar 2013

Ursula Sarrazin aus Halberstädter Gesprächsreihe ausgeladen

Tom Koch, Redakteur der Halberstädter Volksstimme, beginnt seinen Artikel vom 22.Februar 2013 mit dem Satz „Sarrazin bleibt in Halberstadt unerwünscht.“. So sehr Koch diese eigene Annahme zu bedauern scheint, wenn er den Artikel seines Kollegen Oliver Schlicht vom April 2011 gelesen hätte, wüsste er, dass die letzte Veranstaltung von Thilo Sarrazin in Halberstadt in der St. Moritz-Kirche „bis auf den letzten Platz“ ausgefüllt war.
Im Rahmen der Gesprächsreihe „Halberstädter Abende“, in der ihr Mann schon seinen Auftritt hatte, wollte im April diesen Jahres auch Ursula Sarrazin ihre Ansichten zum besten geben. Die Frau, die laut Eltern einem Jungen im Unterricht eine Blockflöte auf den Kopf schlug, stellt sich als Opfer des Bildungswesens hin. Der Gemeindekirchenrat entschied sich nun doch gegen ihren Auftritt. Offizielle Begründung sei, dass ein ähnlicher Konflikt wie schon vor dem Auftritt von Thilo Sarrazin vermieden werden solle. Michael Wolffsohn, jüdischer Bundeswehr-Professor, relativiert die Verfolgung der Juden, indem er ungefragt die „Sarrazin-raus-Rufe“ mit „Juden raus-Rufen“ vergleicht. Auch Mitveranstalter Hartmut Bartmuß selbst wird nicht müde, von Toleranz zu sprechen und steht der Entscheidung des Gemeindekirchenrats anscheinend mehr als kritisch gegenüber.
Fakt ist jedoch: Wenn der Frau eines Rassisten Raum geboten wird, geht damit auch eindeutig die schleichende Verharmlosung und Akzeptanz seines rechten Gedankenguts einher. Pfarrer i.R. Bartmuß, der schon beim Auftritt von Thilo Sarrazin von Meinungsfreiheits und Toleranz palaverte und diesem und seinen Thesen nichts entgegenzubringen hatte, sollte darüber nachdenken, ob es richtig ist, den Freunden der Intoleranz Raum zu geben.

Artikel der Volksstimme „Sarrazins Frau in Halberstadt ausgeladen“ vom 22.02.2013

Rechte Umtriebe in Halberstädter Firmenlandschaft – Ehemaliger NPD-Chef als Personalverantwortlicher bei Bildungszentrum

Der ehemalige Landesvorsitzende der NPD Sachsen-Anhalt, Matthias Heyder aus Elbingerode, ist derzeit für ein Bildungszentrum in Halberstadt tätig. Das Unternehmen „Treulieb Management e.K.“ (Gröperstraße 26, 38820 Halberstadt) konzentriert sich laut eigenem Leitbild hauptsächlich auf die Aus- und Weiterbildung im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens. Hier ist Heyder laut Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer direkter Ansprechpartner aller Interessenten für eine Ausbildung zum „Kaufmann/-frau für Bürokommunikation“1.

Heyder schaffte es kurz vor dem gescheiterten Einzug der NPD in den Landtag von Sachsen-Anhalt in die Schlagzeilen, da er im Verdacht stand, Anleitungen zur Herstellung von Sprengstoff in einem Internetforum veröffentlicht zu haben. Außerdem soll er dazu aufgerufen haben, „linke Frauen zu schänden“2. Im Herbst 2011 wurde Heyder aus der NPD ausgeschlossen und im Jahr 2012 wurden die Ermittlungsverfahren gegen ihn eingestellt, da ihm keine Straftaten konkret nachgewiesen werden konnten.

Anhand Heyders Facebook-Profil ist jedoch ersichtlich, dass er weiterhin Kontakte zu aktiven Neonazis pflegt. Umso ungeheuerlicher scheint es, dass Heyder für ein Bildungszentrum im Gesundheits- und Sozialbereich als Ansprechpartner für Auszubildende eingesetzt wird. Auch andere Halberstädter Unternehmen scheinen kein Problem darin zu sehen, einen Mitarbeiter zu beschäftigen, der sich öffentlich rechtsaußen positioniert. So arbeitet Matthias Heyder auch für die „Heimburger Massivhaus Bau GmbH“ (Johannesbrunnen 23, 38820 Halberstadt) als Ansprechpartner für den Harzkreis und Umgebung3.


Facebook-Screenshot4

Update: In der Jungen Welt erschien am 03. April 2013 ein Artikel zum Thema: Neonazi als Sozialarbeiter



1. Eintrag der IHK-Lehrstellenbörse
2. tagesschau.de-Artikel: „Junker Jörg“ gibt Ratschläge zum Bombenbau
3. Webseite der „Heimburger Massivhaus Bau GmbH“
4. Bildschirmfoto vom Facebook-Profil Michael Schäfers vom 19. Februar 2013