Malina findet Ausweichort – Rechtsrock-Party nun abermals in Nienhagen (Update 24.05.13 17:03 Uhr)

Nienhagen - Hopfendarre abermals Veranstaltungsort für RechtsrockkonzertAm 23. März 2013 erhielt Oliver Malina den Zuschlag für die Schlossruine in Groß Germersleben nahe Oschersleben mit angrenzenden 48.000 Quadratmeter Grundstück. Dass die Überreste des 1999 durch Brandstiftung fast komplett zerstörten Schlosses für ihn weniger interessant sind, war schnell klar, eignet sich das dazugehörige Gelände wegen seiner Fläche doch bestens für Konzerte der Größe, wie Malina sie schon öfter, zuletzt 2012 in Nienhagen (Harzkreis), durchführte. Die Anmeldung der „Skinhead Party“ für den 25. Mai 2013 war dann nur die logische Folge.

Das Entsetzen bei vielen Bürgern in Groß Germersleben, 530 Einwohner, war groß. Mit Hilfe aus Nienhagen formierte sich ein Bürgerbündnis. Dann wurde bekannt, dass es für den Konzertveranstalter Probleme mit der Anmeldung geben könnte, da das Gelände über keinen eigenen Zugang verfügt und nur über ein Nachbargrundstück betreten werden kann. Da so keine ausreichenden Fluchtwege zur Verfügung stehen würden, wurde die Veranstaltung nicht genehmigt und eine Anmeldung Malinas für Groß Naundorf (700 Einwohner, Landkreis Wittenberg), offenbar als Ausweichort für die geplante „Skinhead Party“, bekannt. Hier scheiterte es an der nicht gestellten Baugenehmigung. Eine Großdisko in Ballenstedt wurde als Ersatzmöglichkeit in Betracht gezogen. Auf Drängen der Stadt zog der Diskothekenbesitzer sein Angebot an Oliver Malina jedoch zurück.

Nun wurde es immer enger für den Veranstalter. Die Karten waren alle verkauft, die Marke „Skinhead Party“ stand auf dem Spiel. Mehrere tausend Euro Miete dürften schließlich den Besitzer der „Hopfendarre“ in Nienhagen nahe Halberstadt dazu bewegt haben, sein Versprechen an die Einwohner Nienhagens zu brechen, nämlich sein Grundstück in Zukunft nicht mehr an Neonazis zu vermieten. In den vergangenen Jahren fanden auf dem Gelände Klaus Slominskis bereits wiederholt von Malina organisierte rechte Konzerte statt.

Das Ergebnis einer im Herbst vergangenen Jahres durchgeführten Bürgerabstimmung veranlasste den Grundstücksbesitzer damals zu der Aussage, zukünftig nicht mehr an Neonazis zu vermieten. Von 326 Wahlberechtigten hatten sich 200 Einwohner beteiligt, von denen wiederum 160 gegen weitere Neonazikonzerte votiert hatten. Immerhin mehr als 10 Prozent der Nienhagener Bürger sprachen sich für rechte Konzerte in Nienhagen aus. Während sich die Mehrheit an den durchs Dorf ziehenden Neonazihorden stört, profitiert ein Teil der Einwohner durch das Vermieten von Ferienwohnungen an Konzertbesucher. So auch Slominski, welcher sich trotz des Wissens um das Konzertpublikum und trotz des Bürgerentscheids zumindest aus finanziellen Gründe auf Geschäfte mit Neonazis einlässt.

Als Konzertort für den 25. Mai wird auf der Internetpräsenz nun auch offiziell Nienhagen angegeben. Ein Bündnis aus verschiedenen Initiativen und dem Bürgerbündnis „Nienhagen Rechtsrockfrei“ ruft unter dem Motto „Kein Strom für Nazis“ für den Tag des Konzerts zu einer Demonstration durch Nienhagen auf. Außerdem soll in Groß Germersleben ein Straßenfest stattfinden.

So zeigt sich, dass es letztendlich wenig Sinn macht, mit Neonazis oder ihren Geschäftspartnern zu verhandeln oder sie gar anzubetteln ihr Treiben zu unterlassen. Nur durch konsequentes und kontinuierliches Vorgehen kann dauerhaft Neonazis und ihren Unterstützern etwas entgegengesetzt werden.

Update vom 24.05.2013 15:15 Uhr:
Aktuell ist das Konzert durch den Landkreis nicht genehmigt, da Oliver Malina erforderliche Unterlagen zu spät einreichte. Er versucht nun, beim Verwaltungsgericht eine Genehmigung zu erwirken.

Update vom 24.05.2013 17:03 Uhr

Das Verwaltungsgericht in Magdeburg hat die Entscheidung des Landkreises Harz aufgehoben. „Die Vorschriften der Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt seien auf das geplante Open-Air-Konzert nicht anwendbar.“, heißt es in der Stellungnahme des Verwaltungsgerichts.
Somit stehen Veranstalter Malina momentan keine Auflagen im Wege, die die Durchführung des Konzertes behindern könnten.