Archiv für Juni 2014

„Zahlreiche Verkaufstände und deutsche Hausmannskost“ – Erneut Rechtsrockkonzert in Nienhagen

Am kommenden Wochenende, Samstag den 28.06.2014, soll zum dritten Mal ein Rechtsrockkonzert unter dem Titel „Skinheadparty“ in Nienhagen bei Halberstadt stattfinden. Auftreten sollen „Kraft durch Froide“ (Berlin), „Gesta Bellica“ (Verona, Italien), „IC1“ („Carpe Diem“ aus Deutschland mit Sänger der englischen Rechtsrockgruppe „Razors Edge“), „Kommando Skin“ (Stuttgart), „Pitbullfarm“ (Eskilstuna, Schweden), „Faustrecht“ (Schwaben) und „Abtrimo“ (Hamburg). Auch durch „zahlreiche Verkaufstände und deutsche Hausmannskost“ wird sichergestellt, dass der Abend auch finanziell neonazistischen Strukturen zugutekommt.

In diesem Jahr haben das „Bürgerbündnis Nienhagen rechtsrockfrei“ und der DGB ab 15 Uhr im Woltersweg, einem Zugang zum Gelände um die Hopfendarre des Besitzers Klaus Slominski, auf dem die Veranstaltung (wie alle Rechtsrockkonzerte davor) durchgeführt werden soll, ein Straßenfest angekündigt. Zusätzlich soll es unterschiedliche Kundgebungen im Ort und am Abend eine Demonstration gegen die Neonazi-Veranstaltung geben.
Aktuell ist das Rechtsrockkonzert rund um die Hopfendarre von der Verbandsgemeinde Vorharz aus Sicherheitsgründen verboten worden. Jedoch hat Malina eine Veranstaltung für ein anderes Grundstück etwas weiter außerhalb, das ebenfalls Slominski gehört, angemeldet. Hier prüft das Ordnungsamt noch, ob die „Skinheadparty“ an dieser Stelle stattfinden darf. Ein Angebot für ein Gelände in einem anderen Ort schlug Oliver Malina mit der Begründung aus, er wolle das Rechtsrockkonzert auf jeden Fall in Nienhagen durchführen.
Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen welche Abwägung die Gerichte bei der Kollision von angemeldeten Versammlungen und einer Privatveranstaltung, zu der 1300 Rechtsrockfans erwartet werden, treffen. Obwohl das Straßenfest im Woltersweg eher als die Rechtsrockveranstaltung angemeldet wurde, könnte die Enscheidung auch zu Gunsten von Malina ausfallen. Es ist denkbar, dass wie im letzten Jahr ein endgültiger Beschluss erst relativ kurz vor dem Konzert gefällt wird.

Vor einigen Wochen bedrohte Oliver Malina ein MDR-Kamerateam, das in Nienhagen filmen wollte und behinderte die Dreharbeiten. Wenige Tage zuvor hatte der Neonazi schon versucht Antifaschist*innen vor seinem Haus anzugreifen. Während ein Teil der in Nienhagen Lebenden die Rechtsrockveranstaltungen befürwortet, nehmen die meisten die Konzerte einfach hin. Auch wenn sich bei einer „Bürgerbefragung“ vor fast zwei Jahren die Mehrheit der Teilnehmenden gegen die rechten Veranstaltungen aussprach, sind nur wenige Nienhagener*innen in der „Bürgerinitiative Nienhagen Rechtsrockfrei“ aktiv. Nicht zuletzt haben auch viele Leute Angst vor Oliver Malina, der als Teil des Neonazi-Netzwerks „Honour & Pride“ beste Kontakte in die militante Neonaziszene pflegt und auch selbst nicht davor zurückschreckt Menschen zu attackieren, die sein menschenverachtendes Weltbild nicht teilen.

Greif ein – Nazis und Rassist*innen keine Ruhe lassen!

Schon seit einigen Wochen läuft im Harzkreis eine Kampagne mit dem Motto „Greif ein – Nazis und Rassist*innen keine Ruhe lassen“, in deren Rahmen am Samstag, dem 14.06.2014 in Halberstadt eine Demonstration stattfinden soll. Weitere Informationen gibt’s unter eingreifen.blogsport.de.

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„Ein Abend – Drei Bands aus einer Stadt“

Am 07.06.2014 sollen in der „Corova Bar“ in Schmatzfeld bei Wernigerode die befreundeten Bands „Notlöhsung“, „Lost and Found“ und „Tollschock Therapie“ auftreten. Beworben wird die Veranstaltung, die in der Lokalität des Sängers von „Tollschock Therapie“ stattfinden soll, mit dem Slogan „Ein Abend – Drei Bands aus einer Stadt“.

Nachdem im letzten Jahr das erste öffentlich beworbene „Jubiläumskonzert“ von Notlöhsung in Magdeburg nach Protest von Antifaschist*innen abgesagt wurde, führten die Musiker um Sänger Rainer Kurs im zweiten Anlauf das Konzert zum zehnjährigen bestehen im November 2013, fast zeitgleich zum Erscheinen des neuen Albums, in Blankenburg durch. Auf der neuesten Veröffentlichung „Lebensmelodie aus Teufels Chirurgie“ singen „Notlöhsung“ von Alkoholkonsum und wirren Gedanken, vermeiden aber politische Aussagen. Beworben wurde das neue Machwerk vor allem über Rechtsrockkanäle, erschienen bei „Aggressive Zone Records“ des erst kürzlich wiedergewählten Sondershausener NPD-Stadtrats und Kreistagsmitglied im Kyffhäuser-Kreis Patrick Weber (Thüringen). Entsprechend ist das Album über bekannte Vertriebsstrukturen rechter Musik erhältlich und wurde auch bei der von Kurs‘ geschätzten neonazistischen Online-Sendung „FSN TV“ vorgestellt.
Eine Woche nach dem Konzert im Harz, am 14.06.2014, wollen „Notlöhsung“ zum wiederholten Mal als Vorband der rechten Rocker von „Kategorie C“ an einem nicht öffentlich genannten Ort in „Ruhrpott West“ auftreten. Die Musiker um den Bremer Hooligan Hannes Ostendorf und Gitarrist Stefan Behrens aus Nienhagen bei Halberstadt waren erst kürzlich beim Bayerntag der NPD in Scheinfeld gesichtet worden. Das Konzert von „FSN TV“-Macher Patrick Schröder, auf dem namhafte Rechtsrockbands spielen sollten, wurde durch die Polizei verhindert, somit entfiel auch der Auftritt der rechten Rockgruppe „Nahkampf“, bei der Ostendorf Sänger ist.

Ebenfalls mit einer relativ neuen Erscheinung unterwegs sind die Skinheads von „Lost and Found“. Das Album mit dem Titel „Verloren geglaubt…“ enthält neben altem Material auch neue Lieder. Herausgebracht wurde der Tonträger von „FK-Produktion“, ein Ableger des rechten „Feindkontakt“-Fanzines des Plaueners Claudio Möckel. Die Texte handeln unter anderem von Nationalstolz und propagieren Ehrlichkeit und Loyalität, die in der Gesellschaft angeblich nicht mehr vorhanden seien. Außerdem wenden sich „Lost and Found“ gegen „Extremismus“ und „Political Correctness“. Im Lied „Nach vorn, voran!“ beklagt sich Sänger Matthias K. darüber, dass „die Liebe zur Herkunft“ angeblich in anderen Ländern ganz normal sei, er nur in Deutschland deswegen gefragt werde, ob er „rechtsradikal“ sei. Im Lied „Kopf ab!“ machen „Lost and Found“ Werbung für die Todesstrafe, die ihrer Meinung nach für den Missbrauch von Kindern verhängt werden soll. Bezogen auf die Täter heißt es: „hängt sie auf, steinigt sie, gebt ihnen das, was sie verdienen, Kopf ab, viergeteilt, brennt sie nieder, macht sie kalt“.

Im Dezember spielten „L&F“ in der „Obstkiste“ in Magdeburg, nachdem im Oktober letzten Jahres ein Konzert auf dem auch „Tollschock Therapie“ spielen sollten, vom Besitzer des Konzertortes wegen des rechtsoffenen Charakters der Veranstaltung abgesagt worden war. Der Treffpunkt der „Bootboys Magdeburg“ im Stadtteil Neustadt fiel immer mal wieder durch Konzerte mit rechten Bands auf.

Mit der betonten Abgrenzung nach Links und der Offenheit für rechte Skinheadsubkultur tragen Bands wie „Tollschock Therapie“ dazu bei, rechte Lebenswelten zu schaffen. Freundschaftliche Verbindungen zu Gruppen wie „Notlöhsung“ und „Lost and Found“ zeigen, dass die Selbstbezeichnung als „unpolitisch“ bestenfalls als Lippenbekenntnis gewertet werden kann.