„Ein Abend – Drei Bands aus einer Stadt“

Am 07.06.2014 sollen in der „Corova Bar“ in Schmatzfeld bei Wernigerode die befreundeten Bands „Notlöhsung“, „Lost and Found“ und „Tollschock Therapie“ auftreten. Beworben wird die Veranstaltung, die in der Lokalität des Sängers von „Tollschock Therapie“ stattfinden soll, mit dem Slogan „Ein Abend – Drei Bands aus einer Stadt“.

Nachdem im letzten Jahr das erste öffentlich beworbene „Jubiläumskonzert“ von Notlöhsung in Magdeburg nach Protest von Antifaschist*innen abgesagt wurde, führten die Musiker um Sänger Rainer Kurs im zweiten Anlauf das Konzert zum zehnjährigen bestehen im November 2013, fast zeitgleich zum Erscheinen des neuen Albums, in Blankenburg durch. Auf der neuesten Veröffentlichung „Lebensmelodie aus Teufels Chirurgie“ singen „Notlöhsung“ von Alkoholkonsum und wirren Gedanken, vermeiden aber politische Aussagen. Beworben wurde das neue Machwerk vor allem über Rechtsrockkanäle, erschienen bei „Aggressive Zone Records“ des erst kürzlich wiedergewählten Sondershausener NPD-Stadtrats und Kreistagsmitglied im Kyffhäuser-Kreis Patrick Weber (Thüringen). Entsprechend ist das Album über bekannte Vertriebsstrukturen rechter Musik erhältlich und wurde auch bei der von Kurs‘ geschätzten neonazistischen Online-Sendung „FSN TV“ vorgestellt.
Eine Woche nach dem Konzert im Harz, am 14.06.2014, wollen „Notlöhsung“ zum wiederholten Mal als Vorband der rechten Rocker von „Kategorie C“ an einem nicht öffentlich genannten Ort in „Ruhrpott West“ auftreten. Die Musiker um den Bremer Hooligan Hannes Ostendorf und Gitarrist Stefan Behrens aus Nienhagen bei Halberstadt waren erst kürzlich beim Bayerntag der NPD in Scheinfeld gesichtet worden. Das Konzert von „FSN TV“-Macher Patrick Schröder, auf dem namhafte Rechtsrockbands spielen sollten, wurde durch die Polizei verhindert, somit entfiel auch der Auftritt der rechten Rockgruppe „Nahkampf“, bei der Ostendorf Sänger ist.

Ebenfalls mit einer relativ neuen Erscheinung unterwegs sind die Skinheads von „Lost and Found“. Das Album mit dem Titel „Verloren geglaubt…“ enthält neben altem Material auch neue Lieder. Herausgebracht wurde der Tonträger von „FK-Produktion“, ein Ableger des rechten „Feindkontakt“-Fanzines des Plaueners Claudio Möckel. Die Texte handeln unter anderem von Nationalstolz und propagieren Ehrlichkeit und Loyalität, die in der Gesellschaft angeblich nicht mehr vorhanden seien. Außerdem wenden sich „Lost and Found“ gegen „Extremismus“ und „Political Correctness“. Im Lied „Nach vorn, voran!“ beklagt sich Sänger Matthias K. darüber, dass „die Liebe zur Herkunft“ angeblich in anderen Ländern ganz normal sei, er nur in Deutschland deswegen gefragt werde, ob er „rechtsradikal“ sei. Im Lied „Kopf ab!“ machen „Lost and Found“ Werbung für die Todesstrafe, die ihrer Meinung nach für den Missbrauch von Kindern verhängt werden soll. Bezogen auf die Täter heißt es: „hängt sie auf, steinigt sie, gebt ihnen das, was sie verdienen, Kopf ab, viergeteilt, brennt sie nieder, macht sie kalt“.

Im Dezember spielten „L&F“ in der „Obstkiste“ in Magdeburg, nachdem im Oktober letzten Jahres ein Konzert auf dem auch „Tollschock Therapie“ spielen sollten, vom Besitzer des Konzertortes wegen des rechtsoffenen Charakters der Veranstaltung abgesagt worden war. Der Treffpunkt der „Bootboys Magdeburg“ im Stadtteil Neustadt fiel immer mal wieder durch Konzerte mit rechten Bands auf.

Mit der betonten Abgrenzung nach Links und der Offenheit für rechte Skinheadsubkultur tragen Bands wie „Tollschock Therapie“ dazu bei, rechte Lebenswelten zu schaffen. Freundschaftliche Verbindungen zu Gruppen wie „Notlöhsung“ und „Lost and Found“ zeigen, dass die Selbstbezeichnung als „unpolitisch“ bestenfalls als Lippenbekenntnis gewertet werden kann.