Neonazis marschieren durch Halberstadt – Nächster Aufmarsch für Oktober bereits angekündigt

Am 11.04.2015 marschierten ungefähr einhundert Neonazis durch Halberstadt, um der Opfer der Bombardierung der Stadt vor 70 Jahren zu gedenken. Vom Hauptbahnhof aus zogen sie von der Magdeburger Straße über den Breiten Weg in die Innenstadt, um dann über die Antoniusstraße wieder Richtung Hauptbahnhof zu laufen.


Der „Trauermarsch“ kurz nach dem Start am Hauptbahnhof (Bild: Mario Bialek)

Dabei zeigte sich, dass es sich beim neu gegründeten Kreisverband „Die Rechte Harz“ um jene Neonazigruppe handelt, die im letzten Jahr unter dem Namen „Nationale Sozialisten Nordharz“ Demonstrationen besuchte und Sticker verklebte. Höhepunkt der „NaSo Nordharz“ dürfte zweifelsfrei die Erwähnung in einem Volksstimme-Artikel gewesen sein. Ansonsten erregte die kleine Gruppierung kaum Aufmerksamkeit.
Neben den ca. 20 Teilnehmer*innen aus Halberstadt und Neonazis aus dem Harzkreis waren unter anderem auch Rechte aus Hildesheim und Magdeburg angereist.


Harzer Neonazis (Bild: Mario Bialek)

Angemeldet war der sogenannte „Trauermarsch“ vom Kreisvorsitzenden von „Die Rechte Harz“ Ulf Ringleb. Der Ilsenburger besuchte im vergangenem Jahr zahlreiche neonazistische Veranstaltungen und Demonstrationen, auf denen er Kontakte – vorallem ins Kameradschaftsmilieu – suchte. Einer von Ringlebs „NaSo-Nordharz“-Kameraden ist Marcel Kretschmer. Der in Thale wohnende Neonazi ist mittlerweile stellvertretender Vorsitzender des neuen Kreisverbandes und verlas die Eröffnungsrede. Praktische Unterstützung von außerhalb gab es beispielsweise von Faschisten um Enrico Marx mit dem Lautsprecherwagen aus Sotterhausen und Neonazis aus Magdeburg, die mangels eigenem Fronttransparent von „Die Rechte Harz“ das Bild der Demonstration durch ihr Banner prägten. Außerdem beteiligten sich rechte Aktivisten aus Hildesheim, Bautzen und Thüringen mit dem Verlesen von Redebeiträgen.


Von links: Ulf Ringleb und Marcel Kretschmer (Bild: Mario Bialek)

Das „Bürgerbündnis für ein gewaltfreies Halberstadt“ hatte zum Protest gegen die Demonstation aufgerufen. So sahen sich die Neonazis während ihrer Kranzniederlegung an der Franzosenkirche ca. 120 Bürger*innen gegenüberstehen, die diese lautstark störten. Aufgrund einer Sitzblockade hatte es kurz zuvor eine Änderung der Route gegeben. Noch bevor alle auswärtigen Teilnehmer*innen wieder abgereist waren, wurde der Kranz der Rechten wieder entfernt, dessen Schleife einen peinlichen Rechtschreibfehler enthielt. Ohnehin bemerkten viele Halberstädter*innen die Neonaziveranstaltung höchstens aufgrund der großen Polizeipräsenz, wenn sie nicht direkt während des nur zwei Stunden dauernden Aufmarschs direkt in dessen Nähe gerieten.


(Bild: Mario Bialek)

Nur wenige Tage später veröffentlichte der Kreisverband von „Die Rechte Harz“ einen Aufruf für eine Demonstration am 31.10.2015 in Halberstadt, wo sich die „Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber“ (ZASt) befindet. Offizieller Veranstalter ist der Landesverband der Partei, der im Jahr 2016 erstmalig bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt antreten will. Inhaltlich richtet sich die Demonstration gegen Geflüchtete und deren Unterbringung in Sachsen-Anhalt. Es ist abzusehen, dass die Partei mit ihrer rassistischen Hetze bei der Landtagswahl zu punkten versucht. Damit steht sie in direkter Konkurrenz zur NPD, die ebenfalls zur Wahl antreten wird.


Links: Kranz der Neonazis; Rechts: Kundgebung der Neonazis und Gegenprotest an der Franzosenkirche (Bilder: Bürgerbündnis Halberstadt und Lukas Beyer)