Rechte Provokationen am Rande einer Veranstaltung zu Harzer Nazistrukturen

Am Freitag, den 5. Juni, fand in Quedlinburg eine Informationsveranstaltung zum Thema „Nazistrukturen im Harz“ statt. Rund 60 Besucher*innen kamen zum dritten Teil der Themenreihe mit dem Titel „Antifa-Cafe Harz“ zusammen.

Die Referent*innen beleuchteten die Entwicklung der Harzer Neonazi-Szene in den vergangenen Jahren. Wichtige Punkte waren unter anderem die freien Kameradschaften, die sich immer wieder neu gründen und auflösen, die NPD, die besonders um die Landtagswahlen 2011 herum im Harzkreis aktiv war, und die Rechtsrockkonzerte, die in den letzten Jahren wiederholt in Nienhagen stattfanden. Im Anschluss entwickelte sich ein interessantes Gespräch, da viele der Teilnehmenden den Vortrag mit weiteren Informationen und persönlichen Erfahrungen ergänzen konnten.


Vortrag „Nazistrukturen im Harz“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Antifa-Café“ am 05.06.2015 in Quedlinburg

Zum großen Interesse an der Veranstaltung trugen sicherlich auch die im Vorhinein angekündigten Nazi-Provokationen bei. Der „Kreisverband Harz“ der Kleinstpartei „Die Rechte“ hatte dazu aufgerufen gegen den Vortrag im Kulturzentrum Reichenstraße in Quedlinburg zu demonstrieren. An der Ecke Augustinern/Reichenstraße versammelten sich nur knapp 30 Neonazis, die jedoch extra für diesen Tag ein Transparent mit der Aufschrift „Gegen linke Hetze und Gewalt“ hatten drucken lassen.
Wohlwissend, dass die Polizei jeglichen Kontakt zwischen Neonazis und Antifaschist*innen an diesem Tag verunmöglicht, forderte Ulf Ringleb (Kopf des „Die Rechte“-Kreisverbands“) per Megafon die Besucher*innen des KuZ Reichenstraße zur körperlichen Auseinandersetzung heraus. Nach gut zwei Stunden zog die Gruppe mit viel Gebrüll und Polizeibegleitung zum Quedlinburger Bahnhof ab. Angereist waren die Neonazis an diesem Tag unter anderem aus Hildesheim, Magdeburg, Oschersleben, Halberstadt und Aschersleben. Gegen einen Teilnehmer der rechten Kundgebung wurde ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet.


Kundgebung von „Die Rechte Harz“ am 05.06.2015 in Quedlinburg (Bild: Lukas Beyer)

Neonazis vom „Die Rechte“-Ortsverband Hildesheim bezeichneten die Kundgebung ihrer Kameraden als „vollen Erfolg“. Wenngleich auf Seiten der Faschisten nur ein Drittel der erhofften Teilnehmer*innen den Weg nach Quedlinburg fanden, wird dem Publikum in den sozialen Netzwerken ein völlig anderer, realitätsferner Eindruck vermittelt. Offensichtlich haben auch die Neonazis von „Die Rechte“ die Relevanz einer aktiven Onlinepräsenz erkannt, da in sozialen Netzwerken teilweise ein viel größeres Publikum als auf der Straße erreicht werden kann.

Eine der Organisator*innen des Antifa-Cafés zeigte sich über den Vortrag zu Neonazistrukturen sichtlich zufrieden: „Es sind deutlich mehr Besucher*innen gekommen als zu den vorangegangenen Veranstaltungen der Reihe. Gerade durch die Mobilisierung der Rechten sind vorallem viele junge Leute auf das Antifa-Café aufmerksam geworden. Wir hoffen, auch bei den kommenden Veranstaltungen wieder viele interessierte Zuhörer*innen begrüßen zu können.“