Archiv für Oktober 2015

Naziaufmarsch von „Die Rechte Sachsen-Anhalt“ in Halberstadt

Am kommenden Samstag, den 31.10.2015, will „Die Rechte Sachsen-Anhalt“ durch Halberstadt marschieren. Unter dem Motto „Perspektiven statt Massenzuwanderung” will die Partei ihre rassistische Hetze verbreiten und erhofft sich dabei viele teilnehmende „besorgte Bürger“.

Halberstadt ist als Ort aufgrund des Sitzes der „Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber“ (ZASt) bewusst gewählt. Als „Die Rechte“ im April mit der Mobilisierung für ihren Aufmarsch begann, war ausschließlich Halberstadt Standort der ZASt, mittlerweile gibt es aufgrund der gewachsenen Zahl von Flüchtlingen mehrere Außenstellen, unter anderem in Quedlinburg, Halle und Magdeburg. Die geplante Demonstration kann als Wahlkampfauftakt für die Landtagswahl 2016 angesehen werden. Der Landesverband der Worch-Partei in Sachsen-Anhalt befindet sich im Aufbauprozess und drängt sich als Alternative zur überalterten NPD auf die rechte Bühne.

Da „Die Rechte Sachsen-Anhalt“ Unterstützung von den anderen Landesverbänden bekommt und der Aufmarsch vom Kreisverband Harz seit über einem halben Jahr beworben wird, muss mit der Teilnahme von mehreren hundert Neonazis gerechnet werden. Ebenso ist zu erwarten, dass sich auch vereinzelt Bürger*innen mit rassistischer Einstellung den Neonazis anschließen werden.

Unter dem Motto „Come together – den Naziaufmarsch verhindern!“ ruft ein Bündnis von antifaschistischen und bürgerlichen Gruppen dazu auf, gegen rassistische Hetze auf die Straße zu gehen und den rechten Aufmarsch zu verhindern. Im antifaschistischen Aufruf werden deutsche Politiker kritisiert, die „… sich für eine sogenannte Willkommenskultur feiern [lassen], die von Menschen gestaltet wird, die die mangelhafte staatliche Versorgung der Flüchtlinge nicht hinnehmen wollen und deshalb selber aktiv werden.“
Außerdem wird herausgestellt, dass „Die Rechte“ versucht, Menschen in prekären Verhältnissen die Flüchtlinge als Ursache für ihre schlechte Situation zu präsentieren, obwohl genug für alle da ist, wie bei der Bankenrettung bewiesen wurde, für die innerhalb von wenigen Tagen Milliarden verfügbar waren. „Come together“ ruft dazu auf, den Naziaufmarsch zu blockieren und sich mit Geflüchteten zu solidarisieren.

Der Treffpunkt von „Die Rechte“ ist ab 11 Uhr am Hauptbahnhof. Die Nazi-Gegner*innen rufen dazu auf, sich schon eine Stunde eher, um 10 Uhr, auf dem Bahnhofsvorplatz zu versammeln. Weitere Informationen gibt’s unter cometogether.blogsport.de.

Völkische und revisionistische Veranstaltungen am Wochenende im Süd- und Ostharz

Zum wiederholten Male veranstaltet der Holocaustleugner Günther Deckert im „Ausflugs- und Ferienhotel Hufhaus-Harzhoehe“ in Ilfeld im Südharz (Thüringen) die „Tage deutscher Gemeinschaft“. Die Tagung, bei der nationalistisches, rassistisches und antisemitisches Gedankengut verbreitet wird, findet vom 16. bis 18. Oktober statt.

Der ursprünglich aus Heidelberg stammende Deckert war bereits mehrfach in Haft, unter anderem wegen Volksverhetzung und Leugnung des Holocaust. Anfang der Neunziger war der heute 75-Jährige Vorsitzender der NPD, im Jahr 2005 wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Bei der Organisation der Veranstaltung in Ilfeld wird Deckert von Stefan Wollenschläger unterstützt.

Das Programm der Veranstaltung umfasst neben „Abenden der Gemeinschaft“ mit „Singen, Kurzbeiträgen, Feuersprüchen aus dem Kreis der Teilnehmer“ verschiedenste Vorträge. Unter anderem soll Richard Miosga aus Berlin gegen „Sinti/Roma & Co.“ hetzen, Wolfgang Juchem steuert einen Vortrag „Exoten-Invasion = gewollter und gesteuerter Volksverrat?“ bei und das Thema von Dr. phil Gerd Sudholt soll „Aspekte deutscher Souveränität heute“ sein. Auch die traditionelle Verabschiedung der Teilnehmenden mit dem SS-Treuelied „Wenn alle untreu werden” steht im Programm.
Schon seit Jahren finden braune Treffen, wie die von Deckert organisierte Tagung, im Hufhaus statt. Jakob und Bärbel Lotter, die das Hufhaus betreiben, sind offensichtlich verlässliche Partner*innen.

Im Ostharz soll in Wernigerode am Samstag, dem 17.10.2015, ein „Zeitzeugenvortrag“ stattfinden. Angekündigt wird die Veranstaltung mit „Ein Hauptmann der Reserve berichtet von seiner Zeit in der Heeres-Panzerjäger-Abteilung 731 Mit dem Jagdpanzer ‚Hetzer‘ in Kurland/Lettland“. Die Tickets mussten vorab für jeweils 10 Euro (und 10 Euro zusätzlich für das Spanferkelessen) erworben werden. Die Zahlungen wurden über das Konto von Benjamin Punthöler abgewickelt. Die Teilnehmer*innen sollen über einen Schleusungspunkt zu der Veranstaltung gelotst werden.