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Neonazis stählen sich ungestört in Blankenburger Boxverein

In der Boxsportabteilung der lokalen Sportgemeinschaft „Stahl Blankenburg“ wurden schon zu DDR-Zeiten junge Sportler trainiert und gefördert. Seitdem konnte der Verein immer mal wieder beachtliche sportliche Erfolge seiner Mitglieder verzeichnen. Neben dem Training an vier Wochentagen finden in der Boxhalle in der Hasselfelder Straße regelmäßig Sportveranstaltungen an Samstagnachmittagen statt. Unter dem Motto „Boxen statt Gewalt“ sind Zuschauer eingeladen, Aktive des Vereins im sportlichen Zweikampf zu erleben.


Marc Kluge am 15.12.2012 in Blankenburg1

Die Kehrseite ist, dass bei Stahl seit geraumer Zeit aktive Neonazis trainieren und zu offiziellen Kämpfen antreten. Die „Sportsfreunde“ Marc Kluge und Michele Kurth sind Neonazis, die aus ihrer Gesinnung keinen Hehl machen. Letzterer ist seit mehreren Jahren bei den sogenannten „Jungen Nationaldemokraten“ (JN), der Jugendorganisation der NPD, aktiv und war in der Vergangenheit bei vielen rechten Demonstrationen und anderen Neonaziaktionen anzutreffen. Kluge betätigte sich ebenfalls in JN-Strukturen um Michael Schäfer und ist in der rechten Szene kein Unbekannter.


Michele Kurth (rechts) am 27.10.2012 beim JN-“Bundeskongress“ in Kirchheim2

Michele Kurth (24) war zuletzt fahneschwingend bei einer NPD-Kundgebung „gegen Ausländergewalt“ am 25.05.2013 in Goslar zu sehen. Seinen letzten Boxkampf in Blankenburg bestritt er am 11. Mai 2013. Einige Wochen davor – am 6. März 2013 – fiel er durch das Verteilen der NPD-Schulhof-CD in Halberstadt auf. Die mittlerweile indizierte CD ließ sich aber nur schwer unter die Leute bringen. Anfang des Jahres, am 12. Januar 2013, nahm Kurth, der bei einem wernigeröder Metallverarbeitungsbetrieb arbeitet, am „Trauermarsch“ der Neonaziszene in Magdeburg teil.3 Auch im Vorjahr (am 14.01.2012) war er bereits auf dem alljährlichen, bundesweiten Aufmarsch von Neonazis durch Magdeburg anwesend. Neben der Beteiligung am JN-Bundeskongress am 27. Oktober 2012 in Kirchheim stand er am 21.04.2012 für die NPD in Quedlinburg auf dem Marktplatz. Dass solche Veranstaltungen gefährlich für Andersdenkende werden können, zeigte u.a. ein rechter Aufmarsch am 14. Mai 2011 in Berlin, als Neonazis unter dem Motto „Wahrheit macht frei“ im ihnen verhassten Stadtteil Kreuzberg demonstrieren wollten und mehrere friedliche Gegendemonstranten verletzten. Unter den Teilnehmern des Aufmarschs war auch Michele Kurth.


Kluge am 12.01.2013 in Magdeburg4

Marc Kluge ist ebenso langjähriger Neonaziaktivist. Neben der Teilnahme an zahlreichen Aufmärschen, zuletzt auch am 12. Januar 2013 in Magdeburg, war er für den „Selbstschutz Sachsen-Anhalt“ tätig. Diese Gruppe, gegründet von einer Kameradschaft aus der Altmark, war u.A. auch für den Schutz von neonazistischen Kundgebungen und Demonstrationen zuständig. Außerdem trat Kluge 2007 für die NPD bei den Kreistagswahlen an. Im Jahr 2009 fiel er durch Querfrontaktivitäten mit der Gruppe „Sozialrevolutionäre Aktion Mitte (SAM)“, bestehend aus 8-10 Neonazis aus Sachsen-Anhalt, auf. Die Mitglieder versuchten teilweise an linken Demonstrationen teilzunehmen, um für ein „freies, souveränes und sozialistisches Deutschland“ zu werben. Für diese Mischung aus linker Symbolik, Texten von Lenin, Che Guevara, Ulrike Meinhof etc. und Vertretern des Nationalsozialismus und -bolschewismus ließen sich aber kaum Leute begeistern, sodass die „SAM“ ihre Aktivitäten bald einstellte.
Zuletzt trat der 29-Jährige am 25. Mai 2013 in Nienhagen beim internationalen Neonazikonzert „Skinhead Party“ als Ordner auf. Einer entsprechenden Veranstaltung im Vorjahr wohnte Kluge schon in gleicher Funktion bei. Die Rückseite seines roten T-Shirts zierte der Schriftzug „Frontline Fighter“, darunter eine Handgranate, daneben die Anfangsbuchstaben „H“ und „P“ für „Honour and Pride“,


Marc Kluge als Ordner am 26.05.2012 in Nienhagen5

Natürlich kann es ein Ansatz sein, Jugendlichen durch den Sport neue Perspektiven zu eröffnen. Sportliche Konzepte wie „Boxen gegen Gewalt“, die darauf abzielen, junge Menschen über den Sport zu verbinden, funktionieren jedoch nicht mit ideologisch gefestigten Neonazis, zu denen Michele Kurth und Marc Kluge gezählt werden müssen. Von ihnen werden solche Konzepte stattdessen als eine weitere Rekrutierungsmöglichkeit angesehen, um neue Aktivisten zu gewinnen und diese in rechte Strukturen einzuführen. Erfolgt bei Mitarbeit bekannter Neonazis keine kritische Auseinandersetzung mit ihrer Ideologie, kann dies auch als Einladung an Gleichgesinnte verstanden werden und für weiteren Zulauf sorgen. So nahmen am letzten Boxturnier am 11.03.2013 neben Kurth und Kluge auch weitere bekannte Neonazis als Besucher teil.

Es wurde bereits versucht, mit dem Verein Kontakt aufzunehmen, um über die Aktivitäten von Kurth und Kluge zu informieren. Eine E-Mail mit entsprechendem Inhalt wurde auch zur Kenntnis genommen. Jedoch steht eine Stellungnahme derweilen noch aus und wird bei Erhalt an dieser Stelle veröffentlicht.


Bildquellen:
1: Webseite der Boxclubheros Salzgitter
2: Recherche Nord
3: Michele Kurth am 12.01.2013 in Magdeburg (Foto von Christian Jäger)
4: User bildergalerielinks2 bei Imgur
5: Nienhagen rechtsrockfrei

Sprengstoff-Neonazi aus dem Harz trauert in Magdeburg


Silvio W. aus Thale beim Neonaziaufmarsch am 12.01.13 in Magdeburg

Am 12.01.2013 trauerten knapp 900 Neonazis durch den Magdeburger Stadtrand, welche aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren. Unter ihnen befand sich in diesem Jahr der 26-jährige Neonazi Silvio W. aus Thale, welcher auch die schwarze Fahne mit der Aufschrift „Thale“ trug. Dieser schaffte es schon vor mehreren Jahren in die Schlagzeilen, als die Polizei im Jahr 2006 bei ihm ein Sprengstoff- und Waffenlager aushob. Gefunden wurden unter anderem 2 Kilogramm TNT, ein Maschinengewehr, fünf Mehrladegewehre, eine Flinte, eine Pistole und diverse Munition. Das ungewöhnliche Hobby des Mannes fiel erst auf, als W. versuchte, Waffen über das Internet zu verkaufen. Teilweise stammte das Kriegsgerät aus dem zweiten Weltkrieg. Mithilfe eines Detektors hatte der Neonazi und gelernte Schlosser in einem nahe gelegenen Waldgebiet gezielt nach Waffen gesucht und sie wieder einsatzfähig gemacht. Schon 2004 waren bei W. erstmals Kriegswaffen gefunden worden. Im April 2012 war die Polizei wieder bei ihm zu Besuch. Nachdem auf einem von ihm gepachteten ehemaligen Deponie-Gelände erneut mindestens 1,5 Kilogramm TNT gefunden worden waren, hatte sich der gebürtige Blankenburger den Ermittlern gestellt.