Archiv der Kategorie 'Freie Kräfte'

Das „Kollektiv Nordharz“

Im Frühjahr des Jahres 2017 tauchte erstmals eine scheinbar neue Neonazikameradschaft unter dem Namen „Kollektiv Nordharz“ auf. Es folgten Demonstrationsteilnahmen als Gruppe, die Beteiligung an der Organisation des Naziaufmarschversuchs am 1. Mai 2017 in Halle (Saale) und die Mitorganisation eines Rechtsrockkonzertes.

Das „Kollektiv Nordharz“ (KN) orientiert sich am neofaschistischen Netzwerk „Antikapitalistisches Kollektiv“ (AKK), zu dem eine Handvoll Kameradschaften aus Hessen, Thüringen und Berlin gehören. Dies äußert sich neben der Selbstbezeichnung durch das Auftreten im Stil der „Autonomen Nationalisten“, der ans AKK angelehnten Mediengestaltung und der Selbstinszenierung als scheinbar „antikapitalistisch“. Bei den „Autonomen Nationalisten“ handelt es sich um Neonazikameradschaften, die sich modern geben und die Aktionsform Schwarzer Block und Teile des Erscheinungsbilds von linksradikalen Autonomen kopieren. Sie sind dadurch jedoch weder plötzlich autonom, noch hat sich etwas an ihrer menschenverachtenden Ideologie geändert.

Screenshot der „Kollektiv Nordharz“-Webseite
Screenshot der „Kollektiv Nordharz“-Webseite

Bei den KN-Mitgliedern handelt es sich um Neonazis um Ulf Ringleb aus Ilsenburg, die schon in den vergangenen Jahren als „Nationale Sozialisten Nordharz“ bzw. „Die Rechte Harz“ aktiv waren. Neben diesen Faschisten aus dem Harzkreis besteht die Gruppe jedoch zum größeren Teil aus Neonazis aus dem Landkreis Goslar im Westharz. Sie traten in dieser Konstellation zum ersten Mal beim jährlichen Naziaufmarsch am 11.03.2017 in Dessau auf. Es folgte die Teilnahme an Naziaufmärschen in Leipzig und Göttingen. Am 09.04.2017 veranstaltete KN einen „Balladenabend“ mit dem Neonazi-Liedermacher Michael „Lunikoff“ Regener in Bündheim (Bad Harzburg), an dem zwischen 50 und 70 Personen teilnahmen. Während die KN-Faschisten anfangs Aufmärsche komplett in schwarz gekleidet besuchten, zeigen sie sich sich seit einiger Zeit immer mal wieder für „Autonome Nationalisten“ untypisch, in weißen Hemden.

Neonazis vom „Kollektiv Nordharz“ am 12.08.2017 in Goslar
Neonazis vom „Kollektiv Nordharz“ am 12.08.2017 in Goslar (Quelle: Recherche Nord)

Inhaltlich haben die Gruppen des „Antikapitalistischen Kollektivs“ nichts Neues zu bieten und vertreten unverändert ihre menschenverachtende Ideologie. Zwar wird in Parolen vorgegeben, „das kapitalistische System überwinden“ zu wollen und es wird „Sozialismus“ gefordert. Jedoch wollen die Faschisten keineswegs die Produktionsmittel verkollektivieren, die Wirtschaft gemeinschaftlich gestalten und eine klassenlose Gesellschaft aufbauen. Irgendwie soll ein Ausgleich zwischen Ausbeutenden und Unterdrückten geschaffen werden, ohne, dass das kapitalistische System an sich angetastet wird. Dabei werden ganz in antisemitischer Tradition „einzelnen Protagonisten und Akteure“ als Schuldige ausgemacht, die es zu bekämpfen gilt. Solidarität gibt es nur mit Menschen, die zu eigenem „Volk“ bzw. Rasse gehören.

Alexander Kurth, Ingo Zimmermann und Ulf Ringleb in „Thügida“-Livevideo vom 29.04.2017
Alexander Kurth, Ingo Zimmermann und Ulf Ringleb in „Thügida“-Livevideo vom 29.04.2017

Beim Naziaufmarsch am 1. Mai 2017 in Halle war KN ebenfalls in die Organisation involviert. Ulf Ringleb fungierte als Anmelder. In einem Interview mit dem Leipziger Neonazi Alexander Kurth offenbarte Ringleb zuvor eher bescheidene Fähigkeiten, als Sprecher ein Statement vor der Kamera zu liefern und gab ein eher bemitleidenswertes Bild ab. Dass es um sein Organisationsvermögen und das seiner Kameraden auch eher schlecht bestellt ist, zeigte dann der 1. Mai selbst. Der Naziaufmarsch lief nicht, zuvor nach Halle angereiste Faschisten versuchten anschließend in Merseburg, Köthen und Naumburg spontane Versammlungen durchzuführen, was durch die Polizei verhindert wurde. Schließlich konnte ein Teil der Faschisten noch im thüringischen Apolda wenige hundert Meter unbehelligt marschieren, bis hier alle Teilnehmenden festgenommen wurden. Das 1.-Mai-Desaster sorgte im Nachgang für massive Kritik aus den eigenen Reihen.

Ulf Ringleb am 09.04.2016 beim „Gemeinsam Stark“-Aufmarsch in Magdeburg
Ringleb am 09.04.2016 beim „Gemeinsam Stark“-Aufmarsch in Magdeburg (Quelle: Presseservice Rathenow)

Ringlebs politische Aktivität ist von Brüchen geprägt. Erstmals tauchte er 2014 mit der Neonazikameradschaft „Nationale Sozialisten Nordharz“ auf. Im Jahr 2015 war er dann einer der Köpfe vom neu gegründeten „Die Rechte“-Ableger im Harz und zeitweise fast wöchentlich auf „Die Rechte“-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt präsent. Nach der Wahlpleite im März 2016 war von „Die Rechte Harz“ plötzlich nichts mehr zu sehen und zu hören. Auf Naziaufmärschen trat Ulf Ringleb wieder in schwarz und vermummt auf. Auch an Kundgebungen der faschistischen Gruppe „Identitäre Bewegung Harz“ beteiligte er sich und versuchte teilweise am Rand der Gegenkundgebung Antifaschist*innen zu fotografieren. Im Frühjahr 2017 gründete er nun zusammen mit einigen Westharzer Neonazis die neue Kameradschaft „Kollektiv Nordharz“, die ungefähr ein knappes Dutzend Mitglieder umfasst.

Auch privat scheitert Ringleb immer wieder. Nachdem er im Juli 2015 seine Freundin aus Hessen (Dorf im Harzkreis) heiratete, zog er schon wenige Wochen später wieder aus, um in Blankenburg zu wohnen. Nach einem weiteren Umzug lebt er jetzt Ilsenburg. In den vergangenen Monaten wurde Ringleb zwei Mal zu Geldstrafen verurteilt. Am 21.04.2017 belegte ihn das Amtsgericht Oschersleben mit einer Geldstrafe von 2000 Euro wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen am 05.12.2015 nach einem Naziaufmarsch gegen ein geplantes Flüchtlingsheim in der Bördestadt. Einen Monat später musste sich Ringleb in Goslar für eine Attacke auf den Goslarer Oberbürgermeister bei einem Schützenfest im Sommer 2016 verantworten. Das Gericht verurteilte den Neonazi schließlich zu einer Geldbuße von 1800 Euro.

Weitere Informationen über die Neonazi-Gruppierung „Kollektiv Nordharz“ finden sich beim Watchblog Westharz.

„Zahlreiche Verkaufstände und deutsche Hausmannskost“ – Erneut Rechtsrockkonzert in Nienhagen

Am kommenden Wochenende, Samstag den 28.06.2014, soll zum dritten Mal ein Rechtsrockkonzert unter dem Titel „Skinheadparty“ in Nienhagen bei Halberstadt stattfinden. Auftreten sollen „Kraft durch Froide“ (Berlin), „Gesta Bellica“ (Verona, Italien), „IC1“ („Carpe Diem“ aus Deutschland mit Sänger der englischen Rechtsrockgruppe „Razors Edge“), „Kommando Skin“ (Stuttgart), „Pitbullfarm“ (Eskilstuna, Schweden), „Faustrecht“ (Schwaben) und „Abtrimo“ (Hamburg). Auch durch „zahlreiche Verkaufstände und deutsche Hausmannskost“ wird sichergestellt, dass der Abend auch finanziell neonazistischen Strukturen zugutekommt.

In diesem Jahr haben das „Bürgerbündnis Nienhagen rechtsrockfrei“ und der DGB ab 15 Uhr im Woltersweg, einem Zugang zum Gelände um die Hopfendarre des Besitzers Klaus Slominski, auf dem die Veranstaltung (wie alle Rechtsrockkonzerte davor) durchgeführt werden soll, ein Straßenfest angekündigt. Zusätzlich soll es unterschiedliche Kundgebungen im Ort und am Abend eine Demonstration gegen die Neonazi-Veranstaltung geben.
Aktuell ist das Rechtsrockkonzert rund um die Hopfendarre von der Verbandsgemeinde Vorharz aus Sicherheitsgründen verboten worden. Jedoch hat Malina eine Veranstaltung für ein anderes Grundstück etwas weiter außerhalb, das ebenfalls Slominski gehört, angemeldet. Hier prüft das Ordnungsamt noch, ob die „Skinheadparty“ an dieser Stelle stattfinden darf. Ein Angebot für ein Gelände in einem anderen Ort schlug Oliver Malina mit der Begründung aus, er wolle das Rechtsrockkonzert auf jeden Fall in Nienhagen durchführen.
Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen welche Abwägung die Gerichte bei der Kollision von angemeldeten Versammlungen und einer Privatveranstaltung, zu der 1300 Rechtsrockfans erwartet werden, treffen. Obwohl das Straßenfest im Woltersweg eher als die Rechtsrockveranstaltung angemeldet wurde, könnte die Enscheidung auch zu Gunsten von Malina ausfallen. Es ist denkbar, dass wie im letzten Jahr ein endgültiger Beschluss erst relativ kurz vor dem Konzert gefällt wird.

Vor einigen Wochen bedrohte Oliver Malina ein MDR-Kamerateam, das in Nienhagen filmen wollte und behinderte die Dreharbeiten. Wenige Tage zuvor hatte der Neonazi schon versucht Antifaschist*innen vor seinem Haus anzugreifen. Während ein Teil der in Nienhagen Lebenden die Rechtsrockveranstaltungen befürwortet, nehmen die meisten die Konzerte einfach hin. Auch wenn sich bei einer „Bürgerbefragung“ vor fast zwei Jahren die Mehrheit der Teilnehmenden gegen die rechten Veranstaltungen aussprach, sind nur wenige Nienhagener*innen in der „Bürgerinitiative Nienhagen Rechtsrockfrei“ aktiv. Nicht zuletzt haben auch viele Leute Angst vor Oliver Malina, der als Teil des Neonazi-Netzwerks „Honour & Pride“ beste Kontakte in die militante Neonaziszene pflegt und auch selbst nicht davor zurückschreckt Menschen zu attackieren, die sein menschenverachtendes Weltbild nicht teilen.

Malina findet Ausweichort – Rechtsrock-Party nun abermals in Nienhagen (Update 24.05.13 17:03 Uhr)

Nienhagen - Hopfendarre abermals Veranstaltungsort für RechtsrockkonzertAm 23. März 2013 erhielt Oliver Malina den Zuschlag für die Schlossruine in Groß Germersleben nahe Oschersleben mit angrenzenden 48.000 Quadratmeter Grundstück. Dass die Überreste des 1999 durch Brandstiftung fast komplett zerstörten Schlosses für ihn weniger interessant sind, war schnell klar, eignet sich das dazugehörige Gelände wegen seiner Fläche doch bestens für Konzerte der Größe, wie Malina sie schon öfter, zuletzt 2012 in Nienhagen (Harzkreis), durchführte. Die Anmeldung der „Skinhead Party“ für den 25. Mai 2013 war dann nur die logische Folge.

Das Entsetzen bei vielen Bürgern in Groß Germersleben, 530 Einwohner, war groß. Mit Hilfe aus Nienhagen formierte sich ein Bürgerbündnis. Dann wurde bekannt, dass es für den Konzertveranstalter Probleme mit der Anmeldung geben könnte, da das Gelände über keinen eigenen Zugang verfügt und nur über ein Nachbargrundstück betreten werden kann. Da so keine ausreichenden Fluchtwege zur Verfügung stehen würden, wurde die Veranstaltung nicht genehmigt und eine Anmeldung Malinas für Groß Naundorf (700 Einwohner, Landkreis Wittenberg), offenbar als Ausweichort für die geplante „Skinhead Party“, bekannt. Hier scheiterte es an der nicht gestellten Baugenehmigung. Eine Großdisko in Ballenstedt wurde als Ersatzmöglichkeit in Betracht gezogen. Auf Drängen der Stadt zog der Diskothekenbesitzer sein Angebot an Oliver Malina jedoch zurück.

Nun wurde es immer enger für den Veranstalter. Die Karten waren alle verkauft, die Marke „Skinhead Party“ stand auf dem Spiel. Mehrere tausend Euro Miete dürften schließlich den Besitzer der „Hopfendarre“ in Nienhagen nahe Halberstadt dazu bewegt haben, sein Versprechen an die Einwohner Nienhagens zu brechen, nämlich sein Grundstück in Zukunft nicht mehr an Neonazis zu vermieten. In den vergangenen Jahren fanden auf dem Gelände Klaus Slominskis bereits wiederholt von Malina organisierte rechte Konzerte statt.

Das Ergebnis einer im Herbst vergangenen Jahres durchgeführten Bürgerabstimmung veranlasste den Grundstücksbesitzer damals zu der Aussage, zukünftig nicht mehr an Neonazis zu vermieten. Von 326 Wahlberechtigten hatten sich 200 Einwohner beteiligt, von denen wiederum 160 gegen weitere Neonazikonzerte votiert hatten. Immerhin mehr als 10 Prozent der Nienhagener Bürger sprachen sich für rechte Konzerte in Nienhagen aus. Während sich die Mehrheit an den durchs Dorf ziehenden Neonazihorden stört, profitiert ein Teil der Einwohner durch das Vermieten von Ferienwohnungen an Konzertbesucher. So auch Slominski, welcher sich trotz des Wissens um das Konzertpublikum und trotz des Bürgerentscheids zumindest aus finanziellen Gründe auf Geschäfte mit Neonazis einlässt.

Als Konzertort für den 25. Mai wird auf der Internetpräsenz nun auch offiziell Nienhagen angegeben. Ein Bündnis aus verschiedenen Initiativen und dem Bürgerbündnis „Nienhagen Rechtsrockfrei“ ruft unter dem Motto „Kein Strom für Nazis“ für den Tag des Konzerts zu einer Demonstration durch Nienhagen auf. Außerdem soll in Groß Germersleben ein Straßenfest stattfinden.

So zeigt sich, dass es letztendlich wenig Sinn macht, mit Neonazis oder ihren Geschäftspartnern zu verhandeln oder sie gar anzubetteln ihr Treiben zu unterlassen. Nur durch konsequentes und kontinuierliches Vorgehen kann dauerhaft Neonazis und ihren Unterstützern etwas entgegengesetzt werden.

Update vom 24.05.2013 15:15 Uhr:
Aktuell ist das Konzert durch den Landkreis nicht genehmigt, da Oliver Malina erforderliche Unterlagen zu spät einreichte. Er versucht nun, beim Verwaltungsgericht eine Genehmigung zu erwirken.

Update vom 24.05.2013 17:03 Uhr

Das Verwaltungsgericht in Magdeburg hat die Entscheidung des Landkreises Harz aufgehoben. „Die Vorschriften der Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt seien auf das geplante Open-Air-Konzert nicht anwendbar.“, heißt es in der Stellungnahme des Verwaltungsgerichts.
Somit stehen Veranstalter Malina momentan keine Auflagen im Wege, die die Durchführung des Konzertes behindern könnten.