Archiv der Kategorie 'Wernigerode'

„Driugan“: Nazi-Rapper aus Wernigerode und „Makss Damage“-Partner

Seit der Entstehung von Jugend- bzw. Subkulturen gibt es Bestrebungen von Neonazis, diese zu unterwandern, Szene-Codes zu übernehmen und so ihre Ideologie in leicht verändertem Gewand zu verbreiten. Das bekannteste Beispiel hierfür dürften die Skinheads sein. Die Jugendkultur wurde so nachhaltig von Neonazis unterwandert, dass heute immer noch viele Leute denken, Skinheads seien automatisch Neonazis.
Seit einigen Jahren versuchen Rechte auch Teile der HipHop-Kultur als Ausdrucksform und Propagandamittel für sich zu nutzen. So kommt es vor, dass Neonazis zu Rappern werden und manche Rapper zu Neonazis.


Patrick Ririch bei VKontakte. Im Hintergrund ist eine Oberschlesien-Fahne zu sehen.

Vom „Rapper zum Neonazi“ beschreibt die Entwicklung von Patrick Ririch aus Wernigerode ganz gut. Unter dem Künstlernamen „Driugan“ macht der 24-Jährige „N-Rap“, so die Genrebezeichnung in Neonazikreisen. (mehr…)

Völkische und revisionistische Veranstaltungen am Wochenende im Süd- und Ostharz

Zum wiederholten Male veranstaltet der Holocaustleugner Günther Deckert im „Ausflugs- und Ferienhotel Hufhaus-Harzhoehe“ in Ilfeld im Südharz (Thüringen) die „Tage deutscher Gemeinschaft“. Die Tagung, bei der nationalistisches, rassistisches und antisemitisches Gedankengut verbreitet wird, findet vom 16. bis 18. Oktober statt.

Der ursprünglich aus Heidelberg stammende Deckert war bereits mehrfach in Haft, unter anderem wegen Volksverhetzung und Leugnung des Holocaust. Anfang der Neunziger war der heute 75-Jährige Vorsitzender der NPD, im Jahr 2005 wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Bei der Organisation der Veranstaltung in Ilfeld wird Deckert von Stefan Wollenschläger unterstützt.

Das Programm der Veranstaltung umfasst neben „Abenden der Gemeinschaft“ mit „Singen, Kurzbeiträgen, Feuersprüchen aus dem Kreis der Teilnehmer“ verschiedenste Vorträge. Unter anderem soll Richard Miosga aus Berlin gegen „Sinti/Roma & Co.“ hetzen, Wolfgang Juchem steuert einen Vortrag „Exoten-Invasion = gewollter und gesteuerter Volksverrat?“ bei und das Thema von Dr. phil Gerd Sudholt soll „Aspekte deutscher Souveränität heute“ sein. Auch die traditionelle Verabschiedung der Teilnehmenden mit dem SS-Treuelied „Wenn alle untreu werden” steht im Programm.
Schon seit Jahren finden braune Treffen, wie die von Deckert organisierte Tagung, im Hufhaus statt. Jakob und Bärbel Lotter, die das Hufhaus betreiben, sind offensichtlich verlässliche Partner*innen.

Im Ostharz soll in Wernigerode am Samstag, dem 17.10.2015, ein „Zeitzeugenvortrag“ stattfinden. Angekündigt wird die Veranstaltung mit „Ein Hauptmann der Reserve berichtet von seiner Zeit in der Heeres-Panzerjäger-Abteilung 731 Mit dem Jagdpanzer ‚Hetzer‘ in Kurland/Lettland“. Die Tickets mussten vorab für jeweils 10 Euro (und 10 Euro zusätzlich für das Spanferkelessen) erworben werden. Die Zahlungen wurden über das Konto von Benjamin Punthöler abgewickelt. Die Teilnehmer*innen sollen über einen Schleusungspunkt zu der Veranstaltung gelotst werden.

10 Jahre Braunzonenrock aus Wernigerode – Jubiläumskonzert in Magdeburg

Notloehsung_FlyerAm 13. April 2013 will die Band „NotlöHsung“ aus Wernigerode in Magdeburg ihr zehnjähriges Jubiläum feiern. Die Band, deren Musik laut eigener Aussage eine „gute Mischung aus Metal, Punkrock und Streetcore“ sein soll, wird zusammen mit „Punkfront“ (Berlin) und „Rien ne vas plus“ spielen. Nach außen hin gibt sich die Gruppe unpolitisch: „Aus Politik halten wir uns raus, dafür sind andere in diesem Land zuständig“, schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite.

Die Musikgruppe besteht zur Zeit aus Chris „Scholle“ S. (28) als Bassist, Andy B. (29) am Schlagzeug, Gitarrist Christoper J. (25) und Sänger Rainer „Hakkus“ K. (27). Letzterer macht aus seiner rechtsradikalen Einstellung keinen Hehl und zeigt sich bei Auftritten auch in T-Shirts der Nazibands „Hassgesang“ und „Blutzeugen“. Ein Blick auf die gespielten Konzerte mit der Neonazi-Combo „Kategorie C“, der Nazipunkband „Punkfront“ und der mehr Braun- als Grauzonenband „Elbroiber“ offenbart schnell, dass „NotlöHsung“ kein Problem damit haben, zusammen mit politisch rechtsgerichteten Bands aufzutreten.

Mit den „Elbroibern“ aus Magdeburg nahmen die Wernigeröder die Split-EP „Grauzone Rock‘n'Roll“ auf. Auf dem 2010 veröffentlichten Tonträger singen sie gegen „die Szenepolizei“ an. Gerne wird dieser Begriff als Totschlagargument gegen kritische Stimmen gebraucht, wenn rechtsradikale Verstrickungen nicht mehr zu leugnen sind. Erst Anfang Februar diesen Jahres kam es in Magdeburg zu einem Übergriff auf antifaschistisch eingestellte Jugendliche durch Personen aus dem Umfeld der „Elbroiber“.

In Anbetracht dessen wirken Statements der Band wie „Bei uns ist jeder Willkommen, egal welcher Gesinnung er angehört, ob er links, rechts, oben oder unten ist“ wie ein hilfloser Versuch, sich der Verantwortung für das eigene Umfeld zu entziehen. Es wird eine scheinbar unpolitische Haltung der Band suggeriert, die nicht der Realität entspricht.

Zuletzt beteiligte sich die Wernigeröder Band an dem Sampler „United Skins for Freedom of Speech Vol.2″. Auch auf dem Vorgänger „United Skins for Freedom of Speech“ des RAC-Labels „Oi ain‘t red records“ war sie vertreten. Der Vertrieb dieser CDs erfolgt durch den neonazistischen Onlineshop „Adler Versand“. Auf der ersten Ausgabe des Samplers sind auch Nazibands wie „Brassic“ und „Les Vilains“ mit von der Partie. Nach eigenen Angaben arbeiten „NotlöHsung“ gerade an einem Album, das beim Label „Aggressive Zone Records“ aus Sondershausen erscheinen soll. Der Inhaber Patrick Weber betreibt auch den „Germania Versand“ und sitzt für die NPD im Kreistag Kyffhäuserkreis und im Stadtrat Sondershausen.

Auch wenn „NotlöHsung“ es noch vermeiden, sich textlich offen als Neonazis zu outen, scheinen sie offensichtlich Sympathien für die rechte Szene zu hegen. Obgleich ihre Texte scheinbar unpolitische Themen aufgreifen, arbeiten sie ungeniert mit Personen aus rechten und rechtsoffenen Kreisen zusammen. Mit ihrer Beteiligung an Musikprojekten, die sich explizit von linken Einflüssen abgrenzen und rechtsradikale Bands einbeziehen, überschreiten sie bewusst die Grenze zum Rechtsrock.